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Kurzbeschreibung der bewilligten Aufgabenpakete

 

Schwerpunkte und Aufgabenpakete

Leitung: Prof. M. Hecht
Fachgebiet Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr
TU-Berlin

Kurzbeschreibung der bewilligten Aufgabenpakete

Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche
           Simulationstool Rollgeräusche

           Lärmarme kontinuierliche Schienenlagerung für den Fernverkehr
           Optimiertes Schleifverfahren HSG (High Speed Grinding) für Schienen
           Kurvengeräusche
           Leiser Zug auf realem Gleis (LZarG)

Schwerpunkt Antriebsgeräusche
           Akustische Qualitätskontrolle
           Lüftungsgeräusche
           Quietschfreie Hochleistungsscheibenbremse
 

Einführung

Schienenverkehrslärm

Aus Umweltschutzgründen ist eine Verlagerung des Personen- und Gütertransports von der Straße auf die Schiene notwendig, sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr, so dass der Minderung des Schienenverkehrslärms zukünftig verstärkte Bedeutung zukommt. Die wesentlichen Geräuschkompo­nenten des Schienenverkehrs sind

  • Antriebsgeräusche (insbesondere bei Diesellokomotiven),

  • Rad-Schiene-Geräusche und

  • aerodynamische Geräusche (bei Fahrgeschwindigkeiten oberhalb 300 km/h).

Im Nahverkehr (Straßenbahn, S-Bahn, U-Bahn) kommen noch Maschinengeräusche, Kurvenquietschen, Rumpel-, Brems-, Rangiergeräusche, akustische Signale usw. hinzu.

Bei den heutigen Zuggeschwindigkeiten dominiert das Rad-Schiene-Geräusch, wobei die dynamischen Vor­gänge im Kontaktbereich Rad/Schiene von ausschlaggebender Bedeutung sind. Das Rollgeräusch ist im wesentlichen abhängig von der Fahrgeschwindigkeit, dem Zustand der Fahrfläche (glatt, rauh) und der Fahrbahnart (Holz- oder Betonschwellen mit Schotterbett, "Feste Fahrbahn", Brücken, Bahnübergänge usw.). Der Zustand der Fahrfläche wird sehr stark von der Art der Bremsen bestimmt: Die bei IC- und ICE-Zügen üblichen Scheibenbremsen sind hier wesentlich günstiger als die Klotzbremsen der Güter­züge, die auf die Radlauffläche eingreifen und dadurch zuerst Fehlstellen auf den Rädern und in Folge Rauheiten der Gleise verursachen.

Die Gleisrauheiten lassen sich durch Schleifen wieder beseitigen. Das ergibt bei schlechtem Aus­gangszustand Pegelminderungen von bis zu 20 dB(A) und bei durchschnittlich gepflegten Gleisen von etwa 3 dB(A). Die Wirksamkeit der Schleifverfahren lässt sich wohl noch verbessern.

Bei bestehenden Zügen lassen sich die Rollgeräusche vor allem durch Maßnahmen an den Rädern senken: Durch geeignete Radgeometrien sind bis zu 6 dB(A) Minderung möglich, der Einsatz von Rad­schallabsorbern bringt bis zu 8 dB(A), Radabdeckungen bis zu 5 dB(A). Die Wirkungen dieser Einzelmaßnahmen lassen sich allerdings nicht addieren. Insgesamt ist jedoch von einem hohen Entwicklungspotential auszugehen.

Das mangelhafte Image der öffentlichen Schienenverkehrsmittel (Straßen-, S- und U-Bahn) ist mit auf ihr unbefriedigendes Geräuschverhalten auch für die Reisenden zurückzuführen. Eine deutliche Lärmminderung würde ihre Attraktivität erhöhen und könnte so zu einer Verringerung des Individual­verkehrs beitragen.

Aerodynamische Geräusche spielen nur im Hochgeschwindigkeitsverkehr eine Rolle. Wichtige Quellen sind der Zugkopf, die Fahrwerke, die Radkästen, die Übergänge zwischen den Wagen und der Stromabnehmer. Letzterer strahlt als hochliegende Schallquelle über alle Schallschutzwände hinweg ungedämpft ab und ist deshalb von besonderer Bedeutung.

Die vorliegenden Erfahrungen lassen sich zusammenfassen in der Feststellung, dass es keinen ein­fa­chen Weg zu einer leisen Bahn gibt, weil

  • die physikalischen Grundlagen der Lärmentstehung noch nicht vollständig geklärt sind, 

  • eine Vielzahl von zum Teil gegenläufigen Einflussparametern existiert und

  • neben der Forderung nach leisen Zügen technische, infrastrukturelle und ökonomische Rand­bedingungen berücksichtigt werden müssen.

Der Schwerpunkt der im Bereich Leise Züge und Trassen vorgeschlagenen Vorhaben liegt auf Rad-Schiene-Geräuschen und Antriebsgeräuschen, insbesondere von Güterzuglokomotiven. Der Güterverkehr bietet beträcht­lich Minderungspotentiale. Die heutigen mit Grauguss-Klotzbremsen ausgerüsteten Güterwagen sind eine dominante Lärmquelle und tragen erheblich zur Lästigkeit bei, besonders weil der Güterverkehr verstärkt in verkehrsschwachen Nachtstunden abgewickelt werden soll. Durch Umstellung auf Kunst­stoffbremsklötze lässt sich ein zweifacher Nutzen erzielen: neben der objektiven Lärmminderung der Güterwagen geht auch die nächtliche Belästigung zurück. Mit Abschwächung der Rollgeräusche treten dann aber die Antriebsgeräusche der Lokomotive stark in den Vordergrund und bedürfen deshalb der Reduzierung.

Das Ziel aller vorgeschlagenen Projekte ist es, kurz bis mittelfristig eine deutliche Lärmminderung im Schienenverkehr zu erreichen. Dies soll mit verschiedenen Methoden erreicht werden. Ein großer Teil der Projekte geht die Lärmprobleme von der konstruktiven Seite der Fahrzeuge oder des Fahrweges an. Einige Einzelvorhaben zielen auf die Erweiterung des Hintergrundwis­sens, das notwendig ist, um die nächste Schienenfahrzeuggeneration lärmärmer konstruieren zu kön­nen, andere bemühen sich um praktikable akustische Optimierungsvorschläge für bestehende Schie­nenfahrzeuge, die ja eine Lebenszeit von ca. 30 Jahren haben. Insgesamt ist ein Lärmminderungspo­tential bis 25 – 30 dB(A) vorhanden.

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Aufgabenpaket
Entwicklung Simulationstool Rollgeräusch "SIMTool Rollgeräusch" und messtechnische Validierung
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:          Dipl.-Ing. H. Zimmer
SFE GmbH
Voltastr. 5
13355 Berlin


Ziel ist die Entwicklung eines validierten Simulationstools, das über prognostische Aussagen einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion der durch Rollvorgänge verursachten Schallabstrahlung (Außengeräusche) im Schienenverkehr leisten kann.
Das zu entwickelnde Simulationstool muss das Gesamtsystem Schienenfahrzeug/Fahrweg mit seinen Wechselwirkungen beschreiben, d.h. die gesamte Kette von der Schallanregung (Anregemechanismen, Verriffelung, Kontaktkräfte und -flächen) über Körperschallübertragung (Körperschallintensitäten) und Außenschallabstrahlung erfassen. Die Auslegung des Tools muss weiterhin stark an den Arbeitsabläufen (Datenflüsse) und Erfordernissen der späteren Anwender (Fahrzeughersteller, Fahrweghersteller, Betreiber) orientiert sein. Das Simulationstool wird auch Schnittstellen bereitstellen, die eine Voraussetzung für zukünftige quellenprognostische Untersuchung von Erschütterungen, Schädigungen der Schienenlauffläche sowie von Innengeräuschen aufgrund von Rollvorgängen sind. Die Ergebnisse dieser Simulation können somit vollständig in den Prozess der Auslegung und Entwicklung eines neuen oder in die Verbesserung eines schon eingesetzten Schienenfahrzeugs einfließen.


Partner
Bombardier (ADtranz), Hennigsdorf
akustik-data, Berlin
Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH
CWW Gerko GmbH & Co. KG, Bielefeld
Deutsche Bahn AG, FTZ, München
SFE Gesellschaft für Strukturanalyse mbH, Berlin (Federführung SIMTool Rollgeräusch)
TU Berlin, Institute für Luft- und Raumfahrt, Land- und Seeverkehr / Fachgebiet Schienenfahrzeuge und für Technische Akustik

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Aufgabenpaket
Lärmarme Kontinuierliche Schienenlagerung für den Fernverkehr (LKSF)
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:          H. Lenz
Ing.-Büro Uderstädt + Partner, Essen 

Beschreibung der Problematik
Die Geräuschimmissionen von Schienenverkehrswegen entstehen durch das Zusammenwirken von Fahrzeug und Fahrweg. Insofern ist auch die Konstruktion des Fahrweges von großer Bedeutung für die Schallabstrahlung eines Schienenverkehrsweges. Bisher durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass das Lärmminderungspotenzial des Oberbaus noch nicht ausgeschöpft ist.

Ziel des Vorhabens
Es soll eine kontinuierliche Schienenlagerung für Feste Fahrbahnen von Eisenbahnen mit dem Ziel entwickelt werden, die Schallemissionen um 3 – 6 dB(A) zu reduzieren.
Eine Beschreibung des Vorhabens finden Sie hier
.

Partner
Max Bögl, Bauunternehmung GmbH & Co KG, Neumarkt
Polyplan GmbH, Straßlach-Dingharting
BÜFA Polyurethane GmbH & Co KG, Oldenburg

TU Berlin, Fachgebiet für Schienenfahrwege und Bahnbetrieb
TU München, Prüfamt für Bau von Landverkehrswegen
BÜFA Polyurethane GmbH & Co KG, Oldenburg
Ingenieurbüro Uderstädt + Partner, Ingenieure für Schwingungs-, Schall- und Schienenverkehrstechnik, Essen

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Aufgabenpaket
Optimiertes Schleifverfahren HSG (High Speed Grinding) für Schienen
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:          Herr Taubert
RCB rail center Bützow GmbH & Co.KG
D-18246 Bützow

Problemstellung

Der Lärm ist eine bedeutende ökologische Schwachstelle des ansonsten als umwelt­freundlich angesehenen Schienenverkehrs. Seine Beeinträchtigungen durch Lärm liegen zwar oft deutlich unter denen des Straßenverkehrs, die auf die jeweiligen Ver­kehrsleistungen bezogenen Lärmbelastungen sind aber kaum geringer. Insbe­son­dere der nächtliche Güterverkehr führt für relevante Teile der Bevölkerung zu Belastungen, die gesundheitsschädigende Ausmaße erreichen. Die Beeinträchti­gungen durch Lärm sind deshalb auch ein wesentlicher Grund für den Widerstand der Bevölkerung gegen neue oder stärker belastete Trassen. Das umweltpolitische Ziel einer Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene wird dadurch in Frage gestellt.

Der Rad-Schiene-Kontakt nimmt einen bedeutenden Anteil der Lärmemission des Schienenverkehrs ein. Durch die Betriebsbelastung bilden sich auf der Schienenfahr­fläche Riffel sowie kurze und lange Wellen. Insbesondere Riffel regen bei Zugüberfahrt die Schiene zu Schwingungen an, deren Frequenzen im Hörbereich des Menschen hohe Amplituden erzeugen. Um die Lärmgrenzwerte des Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) einzuhalten, werden vielfach teure und landschaftlich problematische Lärm­schutzbauwerke (Wände, Wälle) seitlich der Schienenfahrwege gebaut.

Riffel, kurze und lange Wellen lassen sich durch Schleifen wieder beseitigen. Das ergibt bei schlechtem Ausgangszustand Pegelminderungen von bis zu 20 dB(A) und bei durch­schnittlich gepflegten Gleisen etwa 3 dB(A). Die Wirksamkeit der Schleif­ver­fahren lässt sich noch verbessern.

Seit über 40 Jahren ist das Schleifen von Schienen Bestandteil im Aktionsprogramm der Deutschen Bahn AG bzw. Deutschen Bundesbahn. Folgende Schleiftechnologien werden derzeit ein­gesetzt: oszillierende Rutschersteine und rotierende Schleifscheiben.

Die Lebensdauer der Schiene hängt maßgeblich von einem ausgewogenen Verhält­nis der Betriebsbelastung zum Verschleiß ab. Das ideale Verhältnis dieses gesteuer­ten Verschleißes wird als "Magic Wear Rate" bezeichnet. Neben den durch Überrollvorgänge erzeugten Spannungen in der Schiene führen auch Unregelmäßig­keiten und fehlender natürlicher Verschleiß zu Rissentstehung und -wachstum in der Schiene. Die Problematik der Rollkontaktermüdung führt zu einer deutlich verkürzten Lebens­dauer der Schienen.

Seit Ende der 90er Jahre ist im Netz der DB AG unter gewissen Umständen der Er­satz baulicher Lärmschutzeinrichtungen durch das so genannte "Besonders über­wachtes Gleis" (BüG) möglich. Dabei wird der Zustand der Schienenoberfläche in besonders kurzen Zeitabständen gemessen und bei Bedarf wird geschliffen.

Nach­teile der derzeitigen Schleiftechnik sind:

  • die Fahrgeschwindigkeit während des Schleifprozesses beträgt 3 bis 5 km/h, bei hochbelasteten Gleisen sind dadurch betriebliche Einschränkungen ver­bunden, mit der Folge von Betriebserschwerniskosten
  • der Einsatz von derzeit üblichen Schleifmaschinen ist teuer
  • die derzeit praktizierten Schleifzyklen sind zu lang mit der Folge der Riffelent­stehung

Ziele des Projektes

Gegenstand des Projektes ist die Entwicklung und die Einsatzoptimierung einer Schleifmaschine für das schnelle, regelmäßige Pflegen von Schienen. Die Arbeits­geschwindigkeit soll bis zu 120 km/h betragen. Dabei werden folgende Ziele verfolgt:

  • Gewährleistung einer Lärmreduktion 3 dB(A), die mit dem "Besonders über­wach­ten Gleis" (BÜG) bei Überfahrt mit einiger­maßen glatten Radlaufflächen garantiert werden können
  • Verhinderung der Entstehung von Rollkontaktermüdungsfehlern und Riffeln durch eine regelmäßige Schienenpflege
  • Minimierung des Materialabtrages durch Schleifen, bezogen auf die gesamte Lebensdauer der Schiene
  • Verlängerung der Lebensdauer der Schiene und damit Verminderung der Lebens­zykluskosten (LCC) der Schiene
  • Vermeidung von Betriebseinschränkungen aufgrund der hohen Arbeits­ge­schwindig­keiten (Mitschwimmen im Fahrplan)
  • Signifikante Reduzierung der Schleifzyklen konventioneller Schleif­maschinen
  • Signifikante Reduzierung der gesamten Instandhaltungskosten der Schiene gegenüber konventionellen Verfahren

Die HSG-Methode verbessert das Längsprofil eines noch in den zulässigen Toleranzen liegenden Schienenquerprofils. Entstehende Unebenheiten (z.B. Riffel) und Mikrorisse werden in einem frühen Stadium der Entstehung beseitigt.

Partner
RCB rail center Bützow GmbH & Co.KG
TU Berlin, Fachgebiet für Schienenfahrwege und Bahnbetrieb

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Verbundprojekt
Kurvengeräusche
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:            Dipl.-Ing. Udo Lenz
                        I.B.U. Ing.-Büro Uderstädt + Partner
                        D-45147 Essen

Einführung

In innerstädtischen Bereichen sind Straßenbahnen grundsätzlich als umweltfreundliches Verkehrsmittel anzusehen. Sie erzeugen allerdings bestimmte Schallimmissionen, die von manchen Anwohnern als erheblich belästigend angesehen werden. Das gilt insbesondere für die in Gleisbögen auftretenden Geräusche. In Gleisbögen mit großen Radien wird durch das Spurkranzanlaufen ein breitbandiges Zischelgeräusch und bei kleinen Radien durch die Stick-Slip-Vorgänge ein tonales Geräusch (Kurvenquietschen) erzeugt. Die durch diese Geräusche entstehenden Belästigungen können erheblich sein. Alle Verkehrsunternehmen sind auf der Suche nach Minderungsmöglichkeiten. Sie haben schon vielfältige Lösungen getestet. Hierbei stellt sich immer wieder heraus, dass Maßnahmen, die an einer Stelle eine Verbesserung bewirken, an anderer Stelle nicht zu einer spürbaren Minderung der Geräusche beitragen. Im Rahmen des Forschungsverbundes "Leiser Verkehr" haben sich verschiedene Institutionen und Firmen zusammengetan, um neue Lösungen für das Problem unter Anwendung neuer Technologien aufzuzeigen.

Projektbeschreibung

Das Verbundprojekt besteht aus 4 Hauptarbeitspaketen:

Im Hauptarbeitspaket Phänomenologische Parameteranalyse von Kurvengeräuschen im Nahverkehr sollen durch messtechnische Untersuchungen die Randbedingungen ermittelt werden, bei denen durch bestimmte Maßnahmen eine Minderung von Kurvengeräuschen zu erwarten ist. Weiterhin sollen "bekannte Maßnahmen" untersucht werden, die an einer Stelle wirken und an anderer Stelle nicht oder nur unzureichend. Hierbei geht es um die Verallgemeinerung lokal mit Erfolg eingesetzter Lösungen.

Das Hauptarbeitspaket Rechnergestütztes Prognoseverfahren beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung des vorhandenen Simulationswerkzeuges "SFE AKUSRAIL" aus dem vom BMBF geförderten Projekt "SIMTool – Rollgeräusch". Es soll zukünftig möglich sein, mit dem Simulationswerkzeug die Einflussparameter der Kurvengeräusche rechnerisch systematisch zu betrachten. Insbesondere wird es möglich sein, rechnerische Auslegungen von Maßnahmen zur Reduzierung der Kurvengeräusche vorzunehmen.

Im Hauptarbeitspaket Maßnahmen an Rad und Schiene werden vorhandene und in der Vergangenheit mit mehr oder weniger Erfolg getestete Lösungen weiterentwickelt. Es handelt sich hierbei um eine Rad- und Schienenstegbedämpfung sowie einer Befeuchtungsanlage. Ziel ist die Entwicklung zuverlässig wirkender Schutzmaßnahmen.

Im Arbeitspaket Handbuch werden die Ergebnisse der vielfältigen Messungen, Berechnungen und weiter gehenden Betrachtungen zusammengetragen. Ziel ist es, für den Praktiker eine Entscheidungs- und Handlungsgrundlage zu schaffen.

Als potenzielle Anwender für das Handbuch "Kurvengeräusche" werden folgende Institutionen gesehen:

  • Entwurfsabteilungen der Hersteller von Schienenfahrzeugen;

  • Bahnbetreiber zur Simulation von Lärmemissionen bei der Betrachtung der Akzeptanz in der Bevölkerung;
  • Ingenieurbüros, die Entwurfsleistungen für Hersteller von Schienenfahrzeugen und für Bahnunternehmen erbringen;
  • Bahnbetreiber, die eigene Konstruktionsabteilungen besitzen;
  • Verkehrsbetriebe, die Problemlösungen bei Anliegerbeschwerden suchen;

  • Planungsbüros, die Betreiber von Schienenverkehrswegen beraten;

  • Wissenschaftliche Hochschul- und Ausbildungseinrichtungen zur Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am System Bahn.

Partner

Alstom LBH, Salzgitter
Bombardier Transportation, Hennigsdorf
moBiel GmbH, Bielefeld
Polyplan GmbH, Straßlach
SFE GmbH, Berlin
STUVA, Köln
SWM, Stadtwerke München
TU Berlin

Das Projekt wird unterstützt von den Verkehrsbetrieben Berlin, den Verkehrsbetrieben Düsseldorf, den Verkehrsbetrieben Karlsruhe, dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Fachhochschule Bielefeld.

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BMWi-Verbundprojekt
Leiser Zug auf realem Gleis (LZarG)
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:          Dr. Matthias Mather
Deutsche Bahn AG, Bahn-Umwelt-Zentrum 

Beschreibung des Verbundprojekts
Die Schwerpunkte für "L Zar G" wurden aus einer vergleichenden Untersuchung und Bewertung der Ergebnisse bereits durchgeführter Forschungs- und Entwicklungsvorhaben abgeleitet. Neben den jeweiligen Maßnahmenkombinationen, die in den betrachteten Forschungsvorhaben verfolgt wurden, wurden zusätzlich Einzelmaßnahmen zur Lärmsenkung, wie beispielsweise Bremssohlen (-beläge), vergleichend bewertet.

Aus dieser Untersuchung hat sich klar ergeben, dass im Hinblick auf die vorliegende Aufgabenstellung vor allem folgende Entwicklungspfade weiterverfolgt werden sollten:

  • Unterbindung der Geräuschabstrahlung durch integrierte konstruktive Maßnahmen am Fahrzeug (Radschallabsorber, Schwingungsdämpfung, schalloptimierte Radsätze, Verminderung der Körperschallübertragung)

  • Verminderung der Geräuschentstehung und der Entstehung von Erschütterungen durch integrierte Systemlösungen am Oberbau (Schwellenform, Schienenlagerung, Schwingungsdämpfung, Oberbauinstandhaltung)

  • Weitere Maßnahmen zur Verringerung der Oberflächenrauigkeit von Rad und Schiene (Bremstechnik, Antriebstechnik, Schienenschleifen) bzw. Optimierung bisheriger Maßnahmen


Zwar sind die Grundlagen der Ansätze von der Wissenschaft und der Industrie bereits geschaffen, das Entwickeln zur Anwendungsreife ist jedoch mit einem so hohen Risiko verbunden, dass es von der meist mittelständischen Industrie nicht getragen werden kann. Das zeigt schon die Erfahrung mit vergangenen Forschungsvorhaben, von denen eine Vielzahl aus wirtschaftlichen, betrieblichen oder sicherheitstechnischen Gründen nicht umgesetzt werden konnten.

Um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, übernimmt nicht nur die Deutsche Bahn AG die Projektführung, sondern die Systemintegration und Implementierung von Einzelmaßnahmen wird auch als eigene Aufgabe behandelt, um technische, wirtschaftliche und betriebliche Randbedingungen von Beginn an bei der Maßnahmenentwicklung zu berücksichtigen und auf Basis von Potenzialuntersuchungen eine Auswahl und Priorisierung von Lösungsansätzen vorzunehmen.

Gesamtziel des Vorhabens
Die Bundesregierung hat in ihrem nationalen Lärmschutzpaket darauf hingewiesen, dass die Bekämpfung des Lärms an der Quelle die wirksamste Lärmschutzmaßnahme ist. Lärmreduktion durch technische Innovation und Forschung wird als eine der drei wichtigen Strategien angesehen. Hier setzt das Vorhaben an:

Beantragt wird ein Verbundprojekt "Leiser Zug auf realem Gleis" (L Zar G) mit dem Ziel, kurzfristig umsetzbare technische, wirtschaftliche und betriebliche Maßnahmen zu entwickeln, um bis zum Jahr 2020 eine Senkung des Schienenlärms des Güterverkehrs in Deutschland an besonders belasteten Stellen um 10dB(A) gegenüber dem Stand von 2000 zu erreichen. Dieses Ziel hat sich die Deutsche Bahn AG gestellt.

Partner
Deutsche Bahn AG
Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH
Bombardier Transportation
ContiTech Luftfedersysteme für Schienenfahrzeuge GmbH
ConTraffic GmbH
Faiveley Transport Witten GmbH
Getzner Werkstoffe GmbH
Gutehoffnungshütte Radsatz GmbH
Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH
Radsatzfabrik Ilsenburg GmbH
Schrey & Veit GmbH
Technische Universität Berlin
Technische Universität Dresden
Technische Universität München
TransTec Vetschau GmbH
Vossloh Werke GmbH

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Aufgabenpaket
Akustisches Qualitätsmanagement für Schienenfahrzeuge
im Schwerpunkt Antriebsgeräusche

Leitung:         Dipl.-Ing. Hans-Peter Grütz
DB AG, Forschungs- und Technologiezentrum
Völckerstr. 5
München
 

Einführung

Die akustischen Belange spielen bisher im Schienenfahrzeugbau aufgrund vielfältiger Anforderungen eine untergeordnete Rolle, sowohl im Bereich der Entwicklung und Konstruktion als auch in der Fahrzeugproduktion. Eines der größten Defizite stellt hierbei die unzureichende Beteiligung der akustischen Fachabteilungen in den frühen Entwicklungs- und Konstruktionsphasen dar.

Akustische Lastenheftvorgaben von Schienenfahrzeugen sind bisher unzureichend und entsprechen nicht dem Stand der Technik. Teilweise werden sie ohne Überprüfung auf ihre Realisierbarkeit und Sinnhaftigkeit aus anderen Lastenheften übernommen. Bei der Auftragsvergabe werden akustische Rahmenbedingungen über das Lastenheft festgelegt, deren Einhaltung erst bei der Fahrzeuginbetriebnahme überprüft werden. In diesem Stadium sind häufig technisch und finanziell vertretbare Änderungen zur Einhaltung der geforderten Werte nicht mehr möglich.. In der Folge führt dies  - bezogen auf die akustischen Forderungen - oftmals zu Widersprüchen und zu Abweichungen. Überschrittene akustische Lastenheftwerte können zu Lieferverzögerungen, Schwierigkeiten bei der Auslieferung, Problemen bei der Zulassung durch die zuständigen Behörden (EBA, TAB) und finanziellen Einbußen zum einen durch Strafgelder, zum anderen durch kostspielige Nachbesserungen führen.

Die untergeordnete Rolle akustischer Belange führt dazu, dass akustische Fehler verbreitet sind, die oftmals erst in der Fertigung oder bei ersten Messungen auffallen. Das bei den Fahrzeugen vorhandene Lärmminderungspotential wird bisher in Entwicklung und Konstruktion nicht vollständig ausgeschöpft. Mögliche Lärmminderungsmaßnahmen werden nicht systematisch im Entwicklungsprozess verfolgt, da hierfür unter anderem brauchbare und komfortable Werkzeuge (Tools) fehlen. Die Basis für ein systematisches und zielorientiertes Vorgehen im technischen und Managementbereich ist für die Akustik bisher nicht in ausreichendem Maße gegeben.

Während der Konstruktion können Schallreduktions­maß­nahmen wesentlich kostengünstiger und schneller umgesetzt werden als nach der Fertigung. Werden akustische Probleme erst im Nachhinein behandelt, gestaltet sich das immer äußerst aufwendig und führt meist nicht zu einer lärmtechnisch optimalen Lösung. Oft werden akustische Nachbesserungen aus Kostengründen nicht umgesetzt. Dies führt grundlegend an dem Ziel eines leisen Schienenfahrzeugs vorbei.

Aufgrund der unzureichenden Betrachtung der akustischen Anforderungen können zudem im Einkauf für einzelne Bauteile und Aggregate keine akustischen Spezifikationen getroffen werden. Dadurch kann der Einsatz lärmarmer Aggregate oder schalldämmender Bauteile nicht gesichert werden.

Insgesamt muss festgehalten werden, dass bisher ein akustisches Gesamtkonzept bei der Herstellung von Schienenfahrzeugen fehlt. Dadurch kommt es dazu, dass teilweise gute schalltechnische Arbeit, z.B. schalltechnisch sehr gut ausgelegte Bauteile, nicht ihre volle Wirkung erzielen kann bzw. in ihrer Wirkung nahezu aufgehoben wird, da an anderen Steel die Wirkung eines akustisch sehr gut ausgelegten Rades eines Schienenfahrzeugs durch eine akustisch schlechte Getriebeauslegung nahezu aufgehoben werden.

Die bisher existierenden Tools zur Geräuschprognose für ein Schienenfahrzeug liefern keine hinreichenden Ergebnisse. Mit der Entwicklung eines konstruktionsbegleitend einsetzbaren Prognosetools bietet sich die Chance, die Belange einer akustisch optimierten Konstruktion zu unterstützen.

Gegenwärtige Praxis bei Betreibern und Herstellern 

Bei der Konstruktion von Fahrzeugen wird der Schallemission häufig nur wenig Beachtung geschenkt, vor allem dann, wenn keine besonders scharfen Emissionsgrenzwerte einzuhalten sind. Werden durch den Kunden akustische Anforderungen festgelegt, dann betreffen diese im wesentlichen das Vorbeifahrgeräusch bei etwa maximaler Geschwindigkeit, die Stand- und Anfahrgeräusche und schließlich den Abstellbetrieb. Dabei werden jedoch nicht alle betrieblich relevanten Zustände abgedeckt.. Tonhaltigkeitsprobleme oder Schallspektren werden beispielsweise nur äußerst selten berücksichtigt. Auch die  Umsetzung der Anforderungen beim Fahrzeughersteller erfolgt nur in Einzelfällen über die Festlegung von maximalen Schallpegelwerten für die einzelnen schallrelevanten Aggregate (Komponentenlastenhefte). Die Definition dieser Grenzwerte basiert oft nur auf Erfahrungswerten, d.h. es erfolgt hierfür meist keine Analyse des Gesamtsystems bzw. eine ausführliche Schallprognose. Die gezielte Definition von erforderlichen Grenzwerten gestaltet sich dadurch schwierig. Ebenso ist eine Abstimmung der einzelnen Schallminderungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer resultierenden Wirkung innerhalb des Gesamtsystems sehr uneinheitlich. An manchen Komponenten wird ein sehr hoher Aufwand betrieben, der keinen nennenswerten Einfluss auf das Gesamtgeräusch mehr darstellt, während an anderen Komponenten zu wenig Aufwand betrieben wird, so dass diese das Gesamtgeräusch dominieren. Der Einfluss der einzelnen Schallquellen sowie der unterschiedlichen Schallschutzmaßnahmen auf das Gesamtgeräusch ist schwer zu bestimmen. Ein für Schienenfahrzeuge geeignetes Akustik-Tool könnte diesen Prozess wesentlich vereinfachen.

Ein gezieltes Akustik-Controlling während des gesamten Entwicklungs- und Konstruktionsprozesses findet derzeit aufgrund der fehlenden Werkzeuge meist nicht statt. Die zur Einhaltung vorgeschriebener Lastenheftwerte des Gesamtfahrzeugs erforderlichen Maßnahmen werden dann mitunter nachträglich getroffen, was technisch und wirtschaftlich wiederum problematisch ist.

Das Ziel der Betreiber von Schienenfahrzeugen ist es, die Schallemission der Schienenfahrzeuge mit dem fortschreitenden Stand der Erkenntnis weiter zu reduzieren. Aufgrund des steigenden Kostendruckes und der Anforderungen des Wettbewerbs spielen die akustischen Belange bisher noch nicht die Rolle, die ihnen aus umweltpolitischen Gesichtspunkten zukommt.

Sofern in den Lastenheften überhaupt Schallpegelgrenzwerte gefordert werden, ist derzeit mangels reproduzierbarer Verfahren eine Kontrolle der Einhaltung der Werte erst nach Fertigstellung der Fahrzeuge prüfbar. Bei Überschreitung der vereinbarten Werte kann in diesem Stadium der laufenden Serienfertigung aber kaum noch in den Produktions- oder gar Konstruktionsprozess eingegriffen werden, so dass regelmäßig die Einhaltung dieser Werte nicht weiter gefordert wird, bzw., sofern griffige Pönaleregelungen bei einer Überschreitung der Grenzwerte vereinbart wurden, diese zugunsten anderer Wünsche der Betreiber als "Tauschware" begriffen werden. Beides kann nicht im Interesse umweltpolitischer Zielstellungen sein. Sehr oft werden pönalisierte Werte von den Herstellern nur als Richtwerte angesehen, die man unverbindlich anstrebt.


Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele

Es soll ein Verfahren für ein akustisches Management für Schienenfahrzeuge entwickelt werden. Die hierfür relevanten Aspekte der Technik und des Managements werden wissenschaftlich analysiert. Auf dieser Analyse aufbauend wird eine Methode erarbeitet, die eine Steuerung und Kontrolle des akustischen Designs von Schienenfahrzeugen ermöglicht. Als wissenschaftlich-technische Grundlage des Verfahrens wird ein Lärmminderungskonzept unter Berücksichtigung der technischen Machbarkeit sowie der Wirtschaftlichkeit (Aufwand/Nutzen-Verhältnis) erarbeitet. Kernstück des Konzepts wird ein Katalog mit Konstruktionsempfehlungen für ein schalloptimiertes Gesamtfahrzeug sein.

Die aus der wissenschaftlichen Analyse gewonnenen Erkenntnisse zum akustisch optimalen Design von Schienenfahrzeugen sowie zum effizienten Akustik-Controlling von der Lastenhefterstellung bis zur Auslieferung des Fahrzeuges an den Betreiber werden in die Entwicklung eines “Geräuschprognosetools” einfließen. Ziel dieses Tools ist es, den Fahrzeugherstellern und -betreibern ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das die entwicklungs- und konstruktionsbegleitende Applikation der “Akustischen Qualitätskontrolle” ermöglicht und eine fundierte Geräuschprognose für Schienenfahrzeuge während der Entwicklungsphase gewährleistet.

Durch die wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise des Akustischen Qualitätsmanagements und den Einsatz des Geräuschprognosetools werden die Voraussetzungen geschaffen, die Umsetzung akustischer Anforderungen von der Lastenhefterstellung an bis hin zur Abnahme des Fahrzeugs fest in den Entwicklungs- und Herstellungsprozess von Schienenfahrzeugen zu integrieren und eine akustische Optimierung der Fahrzeuge zu erreichen. Die Entwicklung und Einführung eines „Akustischen Qualitätsmanagements“ fördert damit eine effektive Schallpegelminderung an der Quelle im Schienenverkehr.

Partner
Bayerische Oberlandbahn (BOB), Lenggries
DB AG,  Forschungs- und Technologiezentrum München (ab 2002 „DB Systemtechnik“)
Vossloh Schienenfahrzeugtechnik (VSFT), Kiel
Siemens Krauss-Maffei Lokomotiven GmbH (SKM), München
Obermeyer Planen + Beraten, München
TU Berlin, Institut für Straßen- und Schienenverkehr, Fachgebiet Schienenfahrzeuge

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Aufgabenpaket
Minderung der Lüftungsgeräusche angetriebener Schienenfahrzeuge
im Schwerpunkt Antriebsgeräusche

Leitung: G. Reiss, Siemens AG, Transportation Systems, Trains

Lüftungsgeräusche, die bei der Kühlung der Antriebskomponenten entstehen, haben einen wichtigen Anteil am Geräusch von Schienenfahrzeugen. Die Minderung der Lüftungsgeräusche war Ziel dieses inzwischen abgeschlossenen Vorhabens. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

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Aufgabenpaket
Quietschfreie Hochleistungsscheibenbremse  
im Schwerpunkt Rad-Schiene-Geräusche

Leitung:         Dr. K. Becker-Lindhorst  
Knorr Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH
Moosacher Str. 80
80809 München

Im Bereich Schienenverkehr, der bisher als sehr umweltverträglich gilt, ist die Geräuschemmission zunehmend als Problem zu sehen, das zukünftig ein ernst zu nehmendes Hindernis bei der Verkehrspolitik, deutlich mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, darstellen kann. Das Verbundvorhaben „quietschfreie Scheibenbremse“ zielt darauf, einen wichtigen Beitrag zur Lärmreduzierung im Schienenverkehr zu leisten.

Einführung

In Hochleistungs-Scheibenbremssystemen für Schienenfahrzeuge wird heute als Reibbelagmaterial Metallsinter eingesetzt. Der Einsatz von Sinterbelägen ist jedoch nicht auf Hochgeschwindigkeitszüge beschränkt, für die diese Belagwerkstoffe ursprünglich entwickelt wurden. Aufgrund ihrer Vorteile eignen sich diese Beläge auch für andere Anwendungen wie z.B. für Loks, Nahverkehrszüge, U-Bahnen oder Spezialgüterwagen.

Metallsinter ermöglicht wesentlich höhere Scheibentemperaturen als organisch gebundene Bremsbeläge Durch die größere Aufnahmefähigkeit der Scheibe für die beim Bremsen umgesetzte Wärme-Energie kann die Anzahl der Bremsscheiben reduziert werden. Dies bedeutet einen entscheidenden Vorteil hinsichtlich Gewicht, Kosten und Einbauraum.

Bei den bremstechnischen und tribologischen Eigenschaften haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre zu akzeptablen, die Anforderungen erfüllenden Resultaten geführt. Nicht gelöst ist bislang jedoch das Lärmproblem in Form von Bremsquietschen. Die Beobachtungen zeigen, dass das Quietschen vornehmlich im Bereich von Niedrigenergiebremsungen (Regulierbremsungen) und in der Stopphase bei niedrigen Geschwindigkeiten kurz vor dem Halt (z.B. Bahnhofseinfahrt) auftritt.

Prinzipiell lassen sich drei Arten von schwingungsabhängigen Bremsgeräuschen unterscheiden, die alle vom Reibvorgang zwischen Bremsbelag und Bremsscheiben ihren Ausgang nehmen.  

ö niederfrequentes Geräusch (Brummen), das vorwiegend von Schwingungen der Bremsbetätigungseinrichtung herrührt.  
ö Schallschwingungen mit drehzahlabhängiger Frequenz (z.B. Erregung durch Boh­rungen in der Reibfläche).
ö hochfrequentes, drehzahlunabhängiges Quietschen, verursacht durch sog. Stick-slip-Effekte des Bremsbelags.  

In der subjektiven Wahrnehmung stellt hochfrequentes Quietschen die unangenehmste Lärmbelästigung dar, zumal dieses Geräusch sehr intensiv und mit großer Lautstärke auftreten kann. Messungen auf dem Bremsenprüfstand mit Sinterbelägen haben im Abstand von 40 cm von der Bremsscheibe Geräuschpegel zwischen 110 und 120 dBA ergeben.

Während sich die beiden erstgenannten Bremsgeräusche durch entsprechende konstruktive Maßnahmen reduzieren bzw. beseitigen lassen, gestaltet sich die Elimination des Brem­senquietschens weitaus schwieriger.

Bisherige Untersuchungen über den Lärm bei Schienenfahrzeug-Scheibenbremsen beziehen sich auf Bremsen mit organischen Belägen. Das Problem des extensiven Bremsquietschens bei Metall-Sinterbelägen ist bisher ungelöst.

Im Gegensatz zu organischen Belägen sind metallische Sinterwerkstoff-Beläge sehr hart und neigen auf Grund ihres tribologischen Verhaltens und ihrer geringen inneren Dämpfung gegenüber organischen Standardbelägen verstärkt zu Reibschwingungen und damit zu energiereichen Schallabstrahlungen im Hochfrequenzbereich (bis 10 kHz). Eine Bedämpfung dieser Beläge mit Elastomeren wie bei organischen Belägen scheidet hier aus thermischen Gründen aus, da Sinterbeläge für Temperaturen bis über 600°C konzipiert sind.

Reibtechnische Anforderungen an Metallsinter-Bremsbeläge hinsichtlich des Bremsverhaltens wie Reibwertkonstanz, Nässeempfindlichkeit und Verschleißfestigkeit werden heute zufriedenstellend erfüllt. Bezüglich der Umweltverträglichkeit jedoch besteht noch akuter Handlungsbedarf: auftretendes Bremsenquietschen stellt eine außerordentliche Umweltbeeinträchtigung dar.

Dies tritt nahezu unabhängig vom eingesetzten Sintermetallwerkstoff auf. Praxiserfahrungen zeigen, dass Bremsenquietschen häufig bei Niedrigenergie-Bremsvorgängen, d.h. bei Regulierbremsungen und bei Bahnhofseinfahrten auftritt. Speziell hier wird das laute Geräusch von den nahe am einfahrenden Zug stehenden Fahrgästen als äußerst unangenehme Belästigung empfunden. Dementsprechend liegen gegenwärtig zahlreiche Beschwerden bei den Fahrzeugbetreibern vor, die ihrerseits Abhilfe von den Bremssystem-Zulieferfirmen verlangen. 

Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele

Ziel des Vorhabens ist es, das Bremsquietschen bei Hochleistungs-Scheibenbremssystemen für Schienenfahrzeuge mit Metall-Sinterreibbelägen zu beseitigen. Die Untersuchungen erstrecken sich sowohl auf die konstruktive als auch auf die werkstoffseitige Ebene. Dabei ist beabsichtigt, nicht nur einzelne Abhilfe-Maßnahmen bei vorhandenen und eingeführten Konstruktionen zu finden, sondern durch Analyse der Schwingungsvorgänge Verfahrensgrundsätze für die Gestaltung quietschfreier Hochleistungsbremsen zu entwickeln.

Das bedeutet im Erfolgsfall, dass sich Hochleistungs-Scheibenbremssysteme auf Grund ihrer genannten Vorteile gegenüber den konventionellen Scheibenbremssystemen auf dem Markt ungehindert durchsetzen können. Die quietschfreie Hochleistungs-Scheibenbremse wäre eine richtungsweisende technologische Verbesserung, die aus Gründen der Umweltschonung und auf Grund bestehender sowie zukünftiger Schallemissions-Auflagen dringend erforderlich ist.

Partner
Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH
Deutsche Bahn AG, Systemtechnik, München und Minden
Becorit GmbH, Recklinghausen


Laufzeit des Vorhabens:  01.10.02 – 31.08.05

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