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Leitung: |
Prof. Dr. B.
Griefahn |
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IfADo |
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Das Projekt ist abgeschlossen,den Abschlussbericht finden Sie hier. |
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Kurzbeschreibung
Kriterien der Lärmwirkungsforschung
Trotz der durchaus
erfolgreichen Senkung der Schallemission einzelner Verkehrsmittel hat der Lärm
– im Gegensatz zu anderen Umweltbelastungen – mit der Verkehrsdichte
zugenommen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Das
Verkehrswachstum wird anhalten, wobei die Zunahme in den Nachtstunden stärker
ausfällt als am Tage [European Commission 1997]. Die
von Seiten der Betroffenen und der Lärmwirkungsforschung seit vielen Jahren
erhobene Forderung, die Emissionspegel und die Impulshaltigkeit der Geräusche
zu reduzieren, greift jedoch zu kurz, weil weitere akustische Merkmale und
nichtakustische Variablen, insbesondere die Frequenzspektren und die Zeitpunkte
der Einwirkung im Verlauf des Tages und der Nacht das Ausmaß der Lärmwirkung
beeinflussen. Im
Rahmen des Gesamtkonzepts 'Leiser
Verkehr' übernimmt die Lärmwirkungsforschung die Aufgabe, durch
wissenschaftlich fundierte, von Technik und Administration umsetzbare
Erkenntnisse zur zielgerichteten und effizienten Reduktion des Verkehrslärms
beizutragen. Damit treten bedarfs- und anwendungsorientierte
Forschungsleistungen zu Lasten der Grundlagenforschung in den Vordergrund und
der Untersuchung langfristig möglicher Gesundheitsschäden in den Vordergrund.
Die Lärmwirkungsforschung konzentriert sich auf die wichtigsten akuten Lärmwirkungen,
deren Minderung zwangsläufig die Reduktion langfristiger Folgen bewirkt. Der
Bereich 'Lärmwirkungen' ist durch die Untersuchungen auf 3 Wirkungsebenen
strukturiert (Abb. 1).
Maskierungen
des Kommunikationsschalls beeinträchtigen zwangsläufig alle Leistungen, für
die akustische Informationen bedeutsam sind, insbesondere Gespräche und
Lernprozesse. Lärm kann aber auch solche Leistungen stören, deren Ausführung
von akustischen Signalen unabhängig ist, weil er einen Teil der
Verarbeitungskapazität bindet (Energieressourcen-Modell) und/oder direkt mit
kognitiven Prozessen, z. B. des Kurzzeitgedächtnisses interferiert
(prozessorientiertes Modell). Darüber hinaus kann Lärm von der Arbeitsaufgabe
ablenken (Orientierungsreaktion) und durch lärmbedingte Schlafstörungen
leistungsrelevante Konzentrationsstörungen verursachen. Abb.
1: Lärmwirkungsforschung im Leisen
Verkehr Ziele
Die
Reduktion der Pegel und der Impulshaltigkeit der von den einzelnen
Verkehrsmitteln emittierten Geräusche sind selbstverständliche Ziele der
technisch orientierten Aktivitäten des Forschungsverbundes. Dies reicht allein
jedoch nicht aus, da das Ausmaß der Reaktion von weiteren akustischen
Parametern, vor allem den Frequenzspektren und der zeitlichen Struktur sowie der
Quelle der Geräusche bestimmt ist, weiterhin von der sowohl im Verlauf des
Tages als auch der Nacht systematisch variierenden Lärmempfindlichkeit.
Demzufolge ist der energieäquivalente Dauerschallpegel zur Beurteilung und zur
Prognose von Lärmwirkungen nur begrenzt geeignet, insbesondere hinsichtlich der
kombinierten Einwirkung von Geräuschen verschiedener Verkehrsträger. Orientiert
am aktuellen Kenntnisstand und dem Bedarf der Bereiche Gemeinsame Verfahren und
Methoden, Reduzierte
Reifen-Fahrbahn-Geräusche und Leise Züge und Trassen konzentriert
sich die Lärmwirkungsforschung im Wesentlichen auf zunächst 4 Ziele, die
interdisziplinär in miteinander vernetzten Einzelaufgaben verfolgt werden. 1
Bewertung unterschiedlicher Frequenzspektren Technische
Maßnahmen der Lärmminderung bewirken in der Regel zwar mehr oder weniger
deutliche Senkungen A-bewerteter Schallpegel, gleichzeitig aber Änderungen der
Frequenzspektren, weil hohe Frequenzanteile weit stärker als tiefe gedämmt
werden. Da die Reduktion der Lärmwirkung aber oft deutlich geringer ausfällt,
als es der Minderung der A-bewerteten Pegel entspricht, ist auf ein besonders
hohes Störpotential der tiefen Frequenzen zu schließen. Tatsächlich ergeben
sich bei sorgfältiger Durchsicht der Literatur zahlreiche Hinweise darauf, dass
tiefe Frequenzen lästiger sind und selbst im Tiefschlaf stärkere Wirkungen
hervorrufen als Geräusche, in denen höhere Frequenzanteile vorherrschen.
Deshalb wird z. B. in den 1999 von der WHO publizierten Richtlinien
empfohlen, die Immissionsgrenzen für Geräusche mit vorwiegend tiefen
Frequenzen weiter abzusenken. Es besteht also Grund zur Annahme, dass die
gezielte Dämmung tiefer Frequenzen zur deutlichen Entlastung auf mehreren
Wirkungsebenen führt. Ein
zentrales Ziel der Lärmwirkungsforschung ist daher die Eingrenzung der
besonders störenden Frequenzen aktueller Geräuschbilder (Originalgeräusche)
mit den bewährten Methoden der Psychoakustik.
Unter Berücksichtigung der technischen Umsetzbarkeit werden mit Hilfe
geeigneter Simulationsverfahren deutlich angenehmere Geräusche erzeugt und
deren Interferenz mit der sprachlichen Kommunikation, der kognitiven Leistung
und des Schlafs mit der Reaktion auf die Originalgeräusche verglichen.
Aus den Ergebnissen resultieren konstruktive Hinweise für den Bau von Straßen-
und Schienenfahrzeugen sowie für die Entwicklung und Auswahl passiver
Schallschutzmaßnahmen. 2
Quantifizierung tageszeitlich variierender Lärmwirkungen Lärmempfindlichkeit
im Verlauf des Tages. Mit den tagesperiodisch variierenden Aktivitäten des
Menschen ändert sich dessen Empfindlichkeit gegenüber der Einwirkung von
Umweltgeräuschen. Der im nordamerikanischen Raum verwendete DNL (day-night
level) berücksichtigt dies durch einen Zuschlag von 10 dB(A) für die
Nacht, der DENL (day-evening-night level) darüber hinaus durch einen Zuschlag
von 5 dB(A) für die Abendstunden. Diese normativen Setzungen lassen sich
jedoch weder bezüglich der Höhe noch der exakten Zeiten auf den europäischen
Raum übertragen. Lärmempfindlichkeit
während des Schlafverlaufs. Abgeleitet aus Untersuchungen, in denen Verkehrslärm
während der ganzen Nacht einwirkte, ist mit einer bis zum Morgen hin
zunehmenden Störbarkeit des Schlafs zu rechnen. Diese Annahme ist zwar
plausibel, der aktuelle Kenntnisstand erlaubt derzeit jedoch keine definitiven
Empfehlungen zur Einführung einer temporären Verkehrsruhe. Dies ist erst auf
der Basis spezieller Untersuchungen mit unterschiedlichen zeitlichen
Expositionsmustern möglich. Die
Quantifizierung der tagesperiodisch variierenden Belästigung und der Reagibilität
im Verlauf der Nacht bildet die Basis für Pegelzuschläge im Sinne einer
wirkungsäquivalenten Bewertung verschiedener Tages- und Nachtzeiten. Sie
erlaubt auf dieser Grundlage gezielte Entlastungen durch die adäquate
Gestaltung von Fahr- und Flugplänen, durch die Einführung zeitlich begrenzter
Fahr- und Flugverbote oder durch temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen. 3
Wirkungsäquivalente Bewertung unterschiedlicher Verkehrslärmarten Die
Bewertung akustischer Belastungen erfolgt in der Regel durch Berechnung des
energieäquivalenten Dauerschallpegels. Dass dieser nicht mit einer
entsprechenden Wirkungsäquivalenz einhergeht, zeigt eine Metaanalyse, wonach
Fluglärm stärker belästigt als Straßenverkehrslärm und dieser wiederum stärker
als Schienenverkehrslärm, Abb. 2. Da diese Unterschiede mit der akustischen
Belastung zudem größer werden, ist z. B. die Höhe des in der
Bundesrepublik geltenden Schienenbonus [16. 16.
BImSchV - Verkehrslärmschutzverordnung] fraglich, der an der Bahn einen
um 5 dB(A) höheren äquivalenten Dauerschallpegel als an verkehrsreichen
Straßen erlaubt. Ob und in welcher Höhe solche Bonus-Malus-Regelungen für
Kommunikationsstörungen, kognitive Leistungen und insbesondere für den Schlaf
gelten, ist bisher völlig offen. In
gezielt angelegten Untersuchungen werden die von den drei
wichtigsten Verkehrsträgern (Straße, Schiene, Luft) emittierten
Geräusche hinsichtlich physiologisch objektivierbarer Störungen des
Schlafablaufs quantifiziert. Da die Untersuchungen zur Lästigkeit, zur
Sprachverständlichkeit und zu kognitiven Leistungen sowohl mit Straßen- als
auch mit Schienenverkehrsgeräuschen vorgenommen werden, lassen sich auch hier
quantitative Unterschiede ermitteln, die zur wirkungsäquivalenten Beurteilung
bzw. zu adäquaten Bonus-Malus-Regelungen sowie zur Installation und
Dimensionierung weiterer Schallschutzmaßnahmen beitragen. 4
Bewertung kombinierter Lärmquellen (Prognose) Viele
Personen, insbesondere die Anrainer von Bahntrassen und Flughäfen, sind der
Einwirkung von 2 bzw. sogar 3 Verkehrslärmarten ausgesetzt. Die Beurteilung
beschränkt sich jedoch stets auf die dominierende bzw. hauptsächlich
interessierende Lärmquelle, was zwangsläufig zur Fehleinschätzung führen
muss, weil auch die anderen Geräusche verarbeitet werden müssen. Die Bewertung
der Gesamtsituation ist jedoch kein triviales Problem, da die einzelnen
Verkehrslärmarten bei gleicher akustischer Energie unterschiedlich starke
Reaktionen hervorrufen und die Unterschiede mit zunehmendem Pegel größer
werden. Darüber hinaus sind Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Geräuscharten
möglich; die Gesamtreaktion lässt sich daher nicht aus der Kenntnis der
Wirkung einzelner Quellen ableiten. Im
Rahmen eines komplexen laborexperimentellen Ringversuchs, an dem sich mehrere
Institute beteiligen, werden die Grundlagen zur Bewertung der simultanen
Einwirkung von Straßen- und Schienenverkehr erarbeitet. Das daraus zu
entwickelnde Modell ist in der nachfolgenden Phase in Kooperation mit dem
Bereich Gemeinsame Verfahren und Methoden im Feld zu validieren.
Abb.
2: Lärmpegel und Belästigungsgrad Verwertungsplan
Die
Durchführung der hier dargestellten Vorhaben ermöglicht einen fundierten und
durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Lärmwirkungen mehrfach
abgesicherten Erkenntnisgewinn. Aus
den Untersuchungen zur Bewertung unterschiedlicher Frequenzspektren resultieren
konstruktive Hinweise für den Bau von Straßen- und Schienenfahrzeugen, zumal
die simulierten Geräuschbilder unter Berücksichtigung der technischen
Realisierbarkeit aus den derzeit aktuellen Geräuschen abgeleitet werden. Die
Ergebnisse lassen sich darüber hinaus zur Entwicklung, Verbesserung und zur
Auswahl passiven Schallschutzes nutzen. Die
Quantifizierung der tagesperiodisch variierenden Belästigung
und der zeitlich variierenden Störbarkeit des Schlafs
bildet die Basis für eine wirkungsäquivalente Bewertung verschiedener Tages-
und Nachtzeiten und ermöglicht darüber hinaus ein gezieltes
Verkehrsmanagement. Zeitlich begrenzte Entlastungen der Betroffenen lassen sich
durch Gestaltung von Fahr- und Flugplänen, durch Einführung temporärer u. U.
selektiver Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fahr- und Flugverbote erzielen. Die
wirkungsäquivalente
Bewertung unterschiedlicher Verkehrslärmarten
erfolgt auf der Grundlage der in mehreren Einzelaufgaben untersuchten Straßen-
und Schienengeräusche sowie gezielt angelegter Untersuchungen des
Schlafverhaltens unter Einwirkung der von Straßen-, Schienen- und Luftverkehr
emittierten Geräusche. Quantitativ unterschiedliche Wirkungen ermöglichen adäquate
Bonus-Malus-Regelungen und die wirkungsorientierte Dimensionierung passiver
Schallschutzmaßnahmen. Das
im Rahmen eines komplexen laborexperimentellen Ringversuchs
zu erarbeitende Modell zur Bewertung
kombinierter Lärmquellen (Prognose) ist
der erste Schritt zur Vorhersage der Belästigung von Anwohnern stark befahrener
Bahnlinien und der Anrainer von Flughäfen, die meist der Einwirkung weiterer
aus anderen Quellen stammender Verkehrsgeräusche ausgesetzt sind. Das Modell
ist in einer nachfolgenden Phase in Kooperation mit dem Bereich
Gemeinsame Verfahren und Methoden im Feld zu validieren. Beteiligte
Institutionen ABoVe
GmbH Arbeitswissenschaft, Büroorganisation,
Veränderungsmanagement, Giessen Bundesanstalt
für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund DLR-Institut
für Luft- und Raumfahrtmedizin, Köln Büro
Kastka und Faust, Messtechnik-Datenverarbeitung-Analysen, Düsseldorf Fernuniversität
Hagen Heinrich-Heine
Universität Düsseldorf, Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin Institut
für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Arbeits- Umwelt- und Gesundheitspsychologie Bayerisches
Landesamt für Umweltschutz, Augsburg Ruhr-Universität
Bochum, Kognitions- und Umweltpsychologie SASS
acoustic research & design GmbH, Essen Universität
Dortmund, Fachbereich Statistik Universität
Oldenburg, Institut zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen ZEUS Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung, Bochum
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