Weniger Lärm auf
Deutschlands Straßen
In den vergangenen 20 Jahren hat der
Verkehrslärm an Bundesstraßen um 1,5 dB(A) und an Autobahnen um 2,5 dB(A)
zugenommen. Dominierende Schallquelle ist das Reifen-Fahrbahn-Geräusch - bei
Pkw ab 40 km/h, bei Lkw ab 70 km/h. In sich immer weiter ausdehnenden
Ballungsgebieten werden neue Straßen zukünftig nur noch zusammen mit sehr
kostenintensiven Lärmschutzmaßnahmen geplant und gebaut werden können. Vor
diesem Hintergrund setzt seit Sommer 2001 der Forschungsverbund "Leiser
Straßenverkehr" im Netzwerk "Leiser Verkehr" an der Lärmquelle
an und arbeitet an der Reduktion der Reifen-Fahrbahn-Geräusche. Das bis Ende
2003 abgeschlossene Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung gefördert und vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen unterstützt. Im Rahmen einer öffentlichen
Informationsveranstaltung wurden im Oktober erste Ergebnisse präsentiert.
Unter
Federführung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) arbeiten 16 Partner aus
Industrie, Forschung und Verwaltung zusammen, um einerseits die theoretischen
Grundlagen bei der Entstehung und Messung von Reifen-Fahrbahn-Geräuschen zu
erarbeiten und andererseits die Komponenten des Reifen-Fahrbahn-Systems
lärmtechnisch zu optimieren. Im Rahmen der Projektlaufzeit sollen bis zu 3
dB(A) leisere Komponenten konzipiert und erprobt werden. Um das Ziel zu
erreichen, wurden neue leisere Pkw-Reifen in Kombination mit lärmtechnisch
optimierten Belägen aus Asphalt (SMA) und Beton (Jutetuch-Textur) - aus denen
das Bundesautobahnnetz überwiegend besteht - entwickelt. Zudem wurden weitere
lärmmindernde Maßnahmen untersucht und erprobt: leisere runderneuerte Pkw- und
Lkw-Reifen, geräuschabsorbierendes Pkw-Radhaus, lärmmindernder Gussasphalt,
offenporiger Asphalt und Beton, Waschbeton sowie Fahrbahnübergänge. Darüber
hinaus wurden Reifen-Fahrbahn-Geräusch-Modelle entwickelt, mit denen
mittelfristig leise Reifen-Fahrbahn-Gesamtsysteme konzipiert werden können.
Am 1.
Oktober 2003 präsentierten die BASt und ihre Projektpartner einige der
Ergebnisse der Öffentlichkeit. Geräuschemissions-Messungen von sechs
Reifen-Fahrbahn-Kombinationen (neue leise Pkw- und handelsübliche Reifen in
Verbindung mit Splitt-Mastix-Asphalt, Gussasphalt und offenporigem Beton)
wurden auf der im Rahmen des Projekts eingerichteten Teststrecke auf der B56
bei Düren durchgeführt und bewertet. "Erste Forschungsergebnisse
belegen", so der Projektleiter, Dr. Peter Reichelt, "dass eine
deutliche Lärmminderung des Gesamtsystems Reifen-Fahrbahn mit heute verfügbaren
technischen Komponenten durchaus erreichbar ist." Das Zusammenwirken von
offenporigen Straßenbelägen, Gussasphalt- und Waschbetondecken, die
Neukonzeption lärmarmer Übergangskonstruktionen für Brücken, die Herstellung
von speziellen lärmarmen Reifen durch eine optimierte
Profil-Gummimischung-Aufbau-Kombination sowie das Abschirmen der Kontaktfläche
Reifen-Straße durch Verkleidung des Radhauses tragen dazu bei. Weitere
innovative Lösungsansätze, beispielsweise bei der Gestaltung der Straßenoberflächen,
müssen sich hingegen erst noch bewähren.
Bundesanstalt
für Straßenwesen
Brüderstraße 53
51427 Bergisch Gladbach
Diese
Mitteilung sowie Fotos der Veranstaltung finden Sie auf der Webseite der BASt:
www.bast.de – Aktuelles 4/03 - 1.10.2003