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Schwerpunkt Reduzierte Reifen - Fahrbahn-Geräusche Koordination:
B. Krieger, BASt, Bergisch Gladbach Kurzbeschreibung In den vergangenen 20 Jahren hat der Verkehrslärm an Autobahnen durchschnittlich um 2,5 dB(A), an Bundesstraßen um 1,5 dB(A) zugenommen. Die Breite der verlärmten Korridore in den Nachtstunden ist inzwischen auf ca. 1100 m bei Autobahnen und auf ca. 220 m bei Bundesstraßen angewachsen. Eine Stagnation des Verkehrsaufkommens ist bei weitem nicht erkennbar, so dass auch in Zukunft neue Straßen in den sich immer weiter ausdehnenden Ballungsgebieten nur noch zusammen mit sehr kostenintensiven Lärmschutzmaßnahmen geplant und gebaut werden können. Schon seit den frühen siebziger Jahren bemühte man sich, der Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr an Brennpunkten mit Hilfe von Lärmschutzwänden und Erdwällen entgegenzuwirken. Weiter hoffte man, das Anwachsen der allgemeinen Lärmbelästigung durch technische Maßnahmen an den Fahrzeugantrieben verhindern zu können. Seit 1970 wurden dafür die Geräuschgrenzwerte für schwere Lkw um 12 dB(A) und für Pkw um 10 dB(A) zurückgenommen. Gleichwohl wurden aber an Autobahnen, Bundesstraßen und im schnelleren Stadtverkehr keine Pegelminderungen beobachtet, da das durch die rollenden Fahrzeugreifen verursachte Reifen/Fahrbahn-Geräusch durch die Grenzwertabsenkungen nicht betroffen wird. Inzwischen ist das Reifen/Fahrbahn-Geräusch zur dominierenden Schallquelle am bewegten Fahrzeug geworden – bei Pkw schon im Stadtverkehr ab 40 km/h, bei Lkw ab 70 km/h. Untersuchungen zum Stand der Technik in den vergangenen 20 Jahren haben gezeigt, dass das Minderungspotenzial von Pkw- und Lkw-Reifen auf einer Straßendecke ungefähr 3 dB(A) beträgt. Ähnlich groß ist das Minderungspotenzial von Straßendeckschichten. Noch nicht vollständig geklärt ist, wie diese Potenziale ausgeschöpft werden können. Erkenntnislücken sind auch noch bezüglich des Zusammenwirkens von Reifen und Straße bei der Geräuscherzeugung vorhanden. Trotz aller Anstrengungen ist es auch noch nicht gelungen, ein Modell zur Prognose des Vorbeifahrtpegels von Pkw und Lkw abzuwickeln, das dem Straßenbau über die bisherigen Erkenntnisse hinausgehende Hinweise zur Herstellung leiserer Straßenoberflächen geben könnte. Für eine deutliche Reduzierung der Reifen-Fahrbahn-Geräusche ist es notwendig, Reifen und Fahrbahn als Gesamtsystem zu behandeln und zu optimieren, wobei gegen Fahrzeug-Sicherheit, Rollwiderstand und Lebensdauer abzuwägen ist. Das
Reifen-Fahrbahn-Geräusch entsteht durch die Wechselwirkung zwischen Reifen und
Fahrbahn und stellt für die außerorts mit hoher Geschwindigkeit befahrenen
Straßen das Gesamtgeräusch dar. Um langfristig eine wirksame und
wirtschaftliche Reduzierung des Reifen-Fahrbahn-Geräusches zu erzielen, müssen
Lärmminderungsmaßnahmen an der Quelle ansetzen. Mit diesem Ansatz wurde der Schwerpunkt „Reduzierte Reifen-Fahrbahn-Geräusche“ konzipiert. Die
Erfolg versprechenden Forschungsaktivitäten wurden von den Partnern als
Teilprojekte (Tp) formuliert und den neun Aufgabenpaketen zugeordnet. Grundsätzlich
werden zwei Ziele verfolgt:
Kurzfristig: Hierbei
sollen um bis 3 dB(A) leisere Komponenten des geräuscherzeugenden Gesamtsystems
Fahrzeug - Reifen - Fahrbahn - Fahrbahnübergang entwickelt, erprobt und gebaut
werden. Hierbei
soll durch die Entwicklung von Reifen-Fahrbahn-Geräusch-Modellen ein um
mindestens 5 dB(A) leiseres Gesamtsystem konzipiert werden. Aufgabenbeschreibung
Dabei werden die durchzuführenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durch die Erkenntnisse aus dem Aufgabenpaket „Modellierung“, insbesondere aus dem Teilprojekt „Statistisches Reifen-Fahrbahn-Geräusch-Modell“, angeregt. Begleitet werden diese Arbeiten durch gezielte Kontrollmessungen, die aus dem Arbeitspaket „Messaufgaben“ heraus gesteuert werden. Die Optimierungsarbeiten enden mit dem Nachweis, dass um 3 dB(A) leisere Komponenten des geräuschgenerierenden Gesamtsystems (also Reifen, Radhaus, Fahrbahn, Fahrbahnübergang) entwickelt worden sind. Anschließend werden die leisesten Einzelkomponenten zu einem Gesamtsystem zusammengeführt und der dabei entstehende Geräuschpegel (Bewertung des Gesamtsystems) erfasst. Dieser Geräuschpegel wird als Ausgangsbasis für die erreichbare Reduzierung der Reifen-Fahrbahn-Geräusche dienen. Dem mittelfristigen Ziel wird in dem Aufgabenpaket „Modellierung“ nachgegangen. Im Vordergrund steht hier ein numerisches Reifen-Fahrbahn-Geräusch-Modell, mit dessen Hilfe leisere Reifen-Fahrbahn-Variationen konzipiert werden, die erst künftig umgesetzt werden können. Diese zukunftsorientierten Forschungen sind notwendig, um einen Durchbruch bei der Reduzierung der Rollgeräusche zu initiieren. Hierzu gehört auch die Entwicklung von in situ Messsystemen in dem Aufgabepaket "Messverfahren", da die abgeleiteten Modelle mit in situ gemessenen Eigenschaften der Fahrbahnoberfläche validiert werden müssen. Der Routine-Einsatz dieser Messverfahren wird in dem Aufgabepaket „Messaufgaben“ koordiniert. Die im Aufgabenpaket „Bewertung“ gewonnenen Erkenntnisse und die Schlussfolgerungen aus allen anderen Teilprojekten münden in den Schlussbericht.
Die Gesamtkosten für den Schwerpunkt „Reduzierte Reifen-Fahrbahn-Geräusche“ belaufen sich auf 6,5 MDM. Partner
Quelle: Vorhabensbeschreibung BASt
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